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SchullebenBlickpunkteGlazologie-Camp am Stilfser Joch in Südtirol

Glazologie-Camp am Stilfser Joch in Südtirol

In der Woche vom 21. bis 26. September 2026 erhielten Schülerinnen und Schüler des Deutschhaus-Gymnasiums Würzburg, des Friedrich-Koenig-Gymnasiums Würzburg sowie verschiedener Südtiroler Schulen im Rahmen eines Erasmus+-Projekts die besondere Gelegenheit, an einem Glaziologie Camp teilzunehmen. Veranstaltungsort war das Berghotel Franzenshöhe am Stilfser Joch in Südtirol. Während des sechstägigen Aufenthalts setzten sich die Teilnehmenden intensiv mit verschiedenen Themenbereichen des alpinen Hochgebirges auseinander. Dazu gehörten unter anderem Geologie, Glazialmorphologie, Botanik und Ökologie. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem interkulturellen Austausch zwischen den deutschen und Südtiroler Schülerinnen und Schülern.

Die Woche begann am Dienstagmorgen mit einer Einführung in die allgemeine und regionale Geologie am Stilfser Joch. Anschließend wurden Arbeitsgruppen gebildet, die sich mit unterschiedlichen Themen auseinandersetzten. Dazu gehörten beispielsweise die historische Bedeutung der Dreisprachenspitze, der Gesteinskreislauf, die hochalpine Flora und Fauna, die Glazialmorphologie sowie die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs und der damaligen Kriegsführung auf die Region. Bei der gemeinsamen Erarbeitung der Inhalte kam es zu einem ersten intensiveren Austausch zwischen den deutschen und Südtiroler Teilnehmenden.

Am Nachmittag wurden die erarbeiteten Kenntnisse im Rahmen einer Exkursion entlang des Goldseewegs angewendet und vertieft. Die einzelnen Gruppen stellten den anderen Teilnehmenden ihre Ergebnisse vor und erläuterten die geologischen sowie historischen Besonderheiten der Umgebung.

Im weiteren Verlauf der Woche vermittelten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Organisation eurac research grundlegende Kenntnisse im Bereich der Ökosystemforschung und des ökologischen Gleichgewichts. In einem Gebirgsbach wurden verschiedene lebende Organismen untersucht, um daraus Rückschlüsse auf den Zustand des Gewässerökosystems ziehen zu können. Die Wissenschaftlerin Roberta Bottarin begleitete die Untersuchungen und gab Einblicke in ihre Forschungsarbeit sowie in aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse. Anschließend beschäftigten sich die Teilnehmenden mit der Bodenökologie. Andreas Hilpold vermittelte hierzu fachwissenschaftliche Kenntnisse und erläuterte die Bedeutung der im Boden lebenden Organismen für das Funktionieren alpiner Ökosysteme. Während der Untersuchung konnten verschiedene besondere Lebewesen entdeckt werden, darunter ein Pseudoskorpion und mehrere Arten von Tausendfüßern. Die unmittelbare Zusammenarbeit mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ermöglichte den Teilnehmenden einen authentischen Einblick in wissenschaftliche Arbeitsweisen und aktuelle Forschungsfelder.

Am Donnerstag stand mit der Gletscherwanderung ein besonderer Höhepunkt des Glaziologie Camps auf dem Programm. Unter der Leitung mehrerer Bergführer erhielten die Teilnehmenden die Möglichkeit, die 3.376 Meter hohe Suldenspitze zu besteigen. Der Aufbruch erfolgte bereits in den frühen Morgenstunden. Für die erfolgreiche Durchführung der Tour waren ein hohes Maß an Zusammenhalt, Kooperation und gegenseitiger Rücksichtnahme erforderlich. Die Gruppe wurde in mehrere Kleingruppen aufgeteilt. Diese bildeten jeweils eine Seilschaft, die von einem Bergführer betreut wurde. Mit Eispickeln und Steigeisen begann der Aufstieg über das hochalpine Gelände. Trotz der körperlichen Anstrengung bewiesen alle Beteiligten großes Durchhaltevermögen und viel Willensstärke. Nach einem etwa zweistündigen Aufstieg erreichten die Schülerinnen und Schüler den Gipfel. Dort bot sich ein beeindruckender Ausblick auf die umliegende Bergwelt.

Nach dem Abstieg und der Rückkehr in die Unterkunft konnten sich die Teilnehmenden vom anstrengenden Tag erholen. Der gemeinsame Abend bot Gelegenheit, die Erlebnisse des Tages Revue passieren zu lassen und den Austausch innerhalb der Gruppe zu vertiefen.

Ein weiterer Programmpunkt beschäftigte sich mit der Botanik des alpinen Hochgebirges. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob zwischen zwei benachbarten Berghängen ein signifikanter Unterschied hinsichtlich der botanischen Vielfalt besteht. Dazu wurden die Schülerinnen und Schüler in Zweiergruppen auf die verschiedenen Untersuchungsstandorte verteilt. Nach dem Zufallsprinzip wurden an jedem Standort vier 60 cm × 60 cm große Untersuchungsflächen ausgewählt. Innerhalb dieser Flächen sollten möglichst alle vorkommenden Pflanzenarten bestimmt und dokumentiert werden. Die erhobenen Daten dienten anschließend als Grundlage für eine statistische Auswertung. Dabei kam der Mann-Whitney-U-Test zum Einsatz. Die Auswertung ergab einen statistisch signifikanten Unterschied zwischen den untersuchten, geologisch unterschiedlichen Berghängen.

Neben den fachlichen Inhalten stand während des gesamten Projekts der kulturelle Austausch zwischen den Südtiroler und den deutschen Schülerinnen und Schülern im Mittelpunkt. Durch die gemeinsame Arbeit, die Exkursionen und die Freizeitaktivitäten entstanden zahlreiche neue Bekanntschaften. Darüber hinaus entwickelten sich aus den Begegnungen auch einige Freundschaften.

Ein besonderer Dank gilt den betreuenden Lehrkräften Christian Kohl vom Friedrich-Koenig-Gymnasium, Katrin Nietzold vom Deutschhaus-Gymnasium sowie dem Südtiroler Botaniker Guido Caracristi. Durch ihre fachliche Begleitung und ihr Engagement konnte ein abwechslungsreiches und lehrreiches Programm umgesetzt werden. Die Teilnehmenden erlebten eine interessante und bereichernde Zeit und hoffen, dass das Projekt auch in Zukunft angeboten und weitergeführt wird.

Ein weiterer Dank gilt dem Programm Erasmus+. Unterstützt durch dieses Programm wurde es uns ermöglicht, die zahlreichen Begegnungen, Erlebnisse und die Fahrt in diesem besonderen Rahmen durchzuführen.

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Ein gemeinsamer Bericht aller teilnehmenden Schülerinnen und Schüler des DHG und FKG
02.10.2026