Referat von Michael Schliemann am 4.2.1998
Zyklotron und andere Teilchenbeschleuniger
Zyklotron (1932 von Lawrence und Livingston)
Ein
Zyklotron besteht aus einer flachen, zylindrischen Vakuumkammer zwischen
den Polen eines Elektromagneten, der ein Feld in z-Richtung erzeugt. Die
Kammer ist in zwei D-förmige Hälften aufgeteilt, zwischen denen
eine Hochfrequente Spannung anliegt. Die positiven Ionen im Zentrum, die
dadurch erzeugt werden, dass ein feiner Strahl des betreffenden Gases mit
Elektronen der Glühkathode G konzentriert beschossen wird,
werden auf die negative Kammerhälfte zu beschleunigt. Da im Inneren
der Kammerhälften mit metallischen Wänden kein elektrisches Feld
existiert (Faradeykäfig!), beschreiben die Ionen hier im Magnetfeld
B
einen Halbkreis, dessen Radius r durch die Bedingung Zentripetalkraft
= Lorentzkraft:
(1)
festgelegt ist. Man sieht hieraus, dass die Zeit
(2)
für einen halben Umlauf unabhängig vom Radius r ist. Wird
die Hochfrequenz fHF so gewählt, dass
gilt, so werden die Ionen nach Durchlaufen des Halbkreises immer zu
einem Zeitpunkt wieder am Spalt ankommen, bei dem die richtige Polarität
der Beschleunigungsspannung anliegt. Ihre Energie nimmt daher bei Durchlaufen
des Spaltes um qU zu, ihre Geschwindigkeit v wächst
und daher auch gemäß (1) der Radius des nächsten Halbkreises.
Die Ionen durchlaufen deshalb eine spiralartige Bahn, die aus lauter Halbkreisen
mit wachsenden Radien besteht, bis sie den Rand r = R des
Magnetfeldes erreicht haben und dort durch ein elektrisches Ablenkfeld
aus dem Zyklotron extrahiert werden können. Ihre maximale kinetische
Energie
hängt vom Radius R, von der Feldstärke B des
Magnetfeldes und vom Verhältnis (q2/2m) ab.
Bei höheren Energien kann man die relativistische Massenzunahme
nicht mehr vernachlässigen. Die Teilchen brauchen dadurch für
einen Umlauf gemäß (2) länger und erreichen den Spalt zu
einem Zeitpunkt der immer mehr gegenüber dem Scheitelwert der Beschleunigungsspannung
verschoben ist, bis sie schließlich bei der falschen Phase der Hochfrequenz
ankommen und abgebremst anstatt beschleunigt werden. Dies begrenzt die
Maximalenergie auf etwa 20 MeV für Protonen und 70 MeV für Alpha
- Teilchen.
Um dieses Problem zu lösen wird die Hochfrequenz während des
Beschleunigungsvorganges so verringert, dass sie immer in Phase mit der
Umlaufzeit bleibt (Synchro-Zyklotron). Die Ionen können
dann allerdings nicht mehr, wie beim Standard - Zyklotron während
jeder HF- Periode aus der Ionenquelle injiziert und beschleunigt werden,
sondern immer nur in Pulsen, deren Zeitabstand D T mindestens gleich
der Beschleunigungszeit T eines Ionenpaketes ist.
Ein weiterer Teilchenbeschleuniger ist das Betatron, bei dem
der Bahnradius konstant bleibt und somit das Magnetfeld mit steigender
Teilchenenergie steigen muss. Das Magnetfeld induziert ein elektrisches
Feld das zur Beschleunigungsspannung führt. Zyklotron und Betatron
werden aber in der heutigen Zeit kaum mehr gebraucht, da ihre Beschleunigung
zu gering ist. Man benutzt sie noch für kleinere Versuche oder manchmal
als Vorstufe für das Synchrotron. Meistens jedoch werden Linearbeschleuniger
als Vorstufe für das Synchrotron eingesetzt, die Teilchen bereits
mit ziemlich hoher Energie (50 MeV) tangential in eine Kreisbahn einschießen.
Dort bleiben sie aufgrund besonderer Stabilisierungsmaßnahmen. Die
Vakuumröhre (Querschnitt etwa 0,3 m2)
ist daher ein Kreisring, der bei den großen Beschleunigern einen
beträchtlichen Durchmesser hat (z. B. beim CERN-Beschleuniger in Genf
200m). Viele Magneten, wesentlich kleiner als der eine große Magnet
beim Zyklotron, sind auf dem Kreis angeordnet. Die Feldstärke B
steigt mit der Zunahme der Teilchengeschwindigkeit, wodurch die Kreisbahn
eingehalten wird. An einer oder an mehreren Stellen des Kreises erfolgt
die Beschleunigung durch ein elektrisches Feld, dessen Frequenz mit der
Geschwindigkeit der Teilchen steigt.
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Einige Zahlen des Synchrotrons in CERN bei Genf
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| Maximale Energie der Protonen: |
28 GeV |
| Magnetfeld: |
von 140 bis 14000 G ansteigend |
| Zahl der Magnete: |
100 |
| Magnetpolabstände: |
10 cm |
| Zahl der Beschleunigungsstrecken: |
16 |
| Frequenz des Beschleunigungsfeldes: |
2,9 - 9,5 Mhz ansteigend |
| Umlaufzahl der Protonen: |
480000 |
| Energieaufnahme pro Umlauf: |
54 keV |
| Maximale Protonengeschwindigkeit: |
0,9994 c |
| Anzahl der Beschleunigungsimpulse: |
1 in 5 Sekunden |
| Zahl der Protonen: |
7× 1011 |
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