Joseph John Thomson
(*18. Dezember 1856 in Cheetham Hill, † 30. August 1940 in Cambridge)
Der Sohn eines Buchhändlers trat im Alter von 14 Jahren in das
"Owens College" der Universität von
Manchester, ein. Zwei Jahre später starb sein Vater. Thomson wechselte
vom Ingenieurfach zur Mathematik und Physik über. Mit einer mathematischen
Arbeit erhielt er 1876 ein Stipendium für das "Trinity
College" der Universität Cambridge;
bis zu seinem Tode versäumte er kein Semester an dieser Universität.
Von 1884 bis 1919 war er "Cavendish Professor" für Experimentalphysik.
Er war der Dritte in einer Reihe, die im übrigen die Namen James Clerk
Maxwell,
Lord Rayleigh, Ernest Rutherford und William
Lawrence Bragg enthält. Im Laufe seines Lebens erhielt er nahezu alle
Ehrungen, die einem Wissenschaftler zuteil werden konnten, einschließlich
des Nobelpreises im Jahre 1906.
Thomsons erste wichtige Arbeit (1881) war eine Anwendung der neuen und
noch nicht voll akzeptierten Theorie des Elektromagnetismus von Maxwell
auf die Dynamik bewegter Ladungen. Er zeigte, daß eine geladene Kugel
entsprechend der Ladung und proportional zur elektrostatischen Energie
an Masse zunimmt. Damit tat er einen ersten Schritt in Richtung auf Einsteins
Gesetz der Energie-Masse-Äquivalenz.
Die Entdeckung der Röntgenstrahlen führte zum verstärkten
Studium der sie hervorrufenden Kathodenstrahlen. Die Natur der letzteren
wurde in der damaligen Fachwelt viel diskutiert. Heinrich Hertz war der
Ansicht, daß es sich um eine Wellenstrahlung handelte, da die Kathodenstrahlen
dünne Metallplättchen durchdrangen und in einem elektrischen
Feld nicht abgelenkt wurden. 1897 konnte Thomson zeigen, daß der
Fehler bei den Hertzschen Experimenten an dem ungenügenden Vakuum
lag. Es bildeten sich geladene Teilchen, die das Feld neutralisierten.
Nachdem Thomson das Vakuum verbessert hatte, erhielt er Ablenkungen, aus
denen er, zusammen mit den schon bekannten Ablenkungen durch Magnete (Hittorf
1869), das stets konstante Verhältnis von Ladung zur Masse (e/m) der
vermuteten Teilchen ermittelte. In seiner Autobiographie schrieb er kurz
vor seinem Tode: "Nach langen Erwägungen schien es mir, daß
aus den Versuchen die folgenden Schlußfolgerungen zu ziehen sind:
Erstens, daß Atome nicht unteilbar sind, denn negativ elektrische
Partikel können von ihnen weggerissen werden durch Wirkung elektrischer
Kräfte... Zweitens, daß die Partikel alle von derselben Masse
sind und die gleiche Ladung negativer Elektrizität tragen, aus welcher
Art von Atomen sie auch stammen, und daß sie Bestandteile aller Atome
sind. Drittens, daß die Masse dieser Teilchen geringer ist, als der
tausendste Teil eines Wasserstoffatoms. Ich nannte diese Teilchen zuerst
Korpuskeln, aber man nennt sie jetzt mit dem besser passenden Namen Elektronen."
Thomson gelang es 1907, durch Ablenkung von Kanalstrahlen im elektrischen
Feld Parabeln zu erhalten, von denen jede einer der verschiedenen vorhandenen
Atom- oder Molekülarten entsprach. Damit wurde zum erstenmal der schlüssige
Beweis dafür erbracht, daß die Atome eines Elements nicht alle
identisch sind. Während die alten Methoden zur Bestimmung der Atomgewichte
nur Durchschnittswerte ergaben, entdeckte Thomson 1912 beim genaueren Studium
der gewonnenen Ergebnisse, daß durchaus verschiedene Atome ein Element
konstituieren können. Insbesondere stellte er bei Neon fest, daß
eine Parabel dem Atomgewicht 20, eine andere demjenigen von 22 entsprach.
Francis William Aston, der ihm bei diesen Versuchen assistiert hatte, entdeckte
nach dem Ersten Weltkrieg, daß der Fall des Neons keineswegs die
Ausnahme, sondern vielmehr die Regel darstellt, und daß die meisten
Elemente aus mehreren "Isotopen" zusammengesetzt sind.
J. J. Thomson beeinflußte in großem Maße die Entwicklung
der Physik. Sein Wirken war die Grundlage der Forschungsergebnisse seiner
Schüler, zu denen u. a. Ernest Rutherford,
Paul Langevin, Charles Thomson Rees Wilson, William Lawrence Bragg, Francis
William Aston und Edward Appleton gehörten.
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