-
Grundlagen
235U absorbiert thermische Neutronen.
Dabei werden 6,8MeV Bindungsenergie frei. Dies ist mehr, als die 6,5MeV,
die zur Spaltung notwendig sind. Von dem Zeitpunkt der Absorption des Neutrons
bis zur Spaltung vergehen ca. 10-14s.
Im Durchschnitt wird bei der Spaltung eine Energie von ca. 200MeV frei.
Etwa 160MeV werden als kinetische Energie auf die Spaltbruchstücke
übertragen. Bei ihrer Abbremsung Brennelement wird Wärme erzeugt,
die technisch nutzbar ist.
Die entstehenden Spaltprodukte können die verschiedensten Nuklide
sein. Alle entstehenden Spaltkerne sind b--Strahler
wegen des großen Neutronen-Überschusses. Aus dem gleichen Grund
werden bei der Spaltungsreaktion Neutronen emittiert (im Mittel 2,43 schnelle
Neutronen).
Werden diese schnellen Neutronen auf thermische Geschwindigkeit abgebremst,
so ist eine Kettenreaktion möglich:
Durch geeignete Maßnahmen (Geometrie der Anordnung, Moderation) wird
die Anzahl der verwertbaren Neutronen und somit die Kettenreaktion kontrolliert.
-
Problematik
Natürliches Uran besteht zu 99,3% aus 238U
und nur zu 0,7% aus dem, für die Kettenreaktion notwendigen 235U.
Die beiden Uran-Isotope haben für Neutronen unterschiedlicher Geschwindigkeit
unterschiedliche Wirkungs- bzw. Einfangquerschnitte. So fängt 235U
bevorzugt thermische (langsame) Neutronen
ein. Die dabei freiwerdende Bindungsenergie führt zur Spaltung. 238U
fängt dagegen hauptsächlich mittelschnelle Neutronen ein. Dabei
wird lediglich eine Energie von 5,5MeV frei, die nicht zur Spaltung ausreicht.
Dazu wären 7MeV nötig.
Das bedeutet, daß die, bei der Spaltung entstandenen, schnellen
Neutronen hauptsächlich von 238U eingefangen
werden und somit für die Aufrechterhaltung der Kettenreaktion verloren
sind. Mit normalem Uran kann die Kettenreaktion also nur in Gang gesetzt
werden, falls die schnellen Neutronen abgebremst werden (Fermi) damit sie
von 235U eingefangen werden können.
Man spricht von Moderation.
Sie erfolgt durch den Einsatz von sogenannten Moderatoren, in denen
die Neutronen durch elastische Stöße mit den Kernen der Moderatorsubstanz
verlangsamt werden. Das Uran ist im Moderator verteilt und die einzelnen
Brennelemente sind so klein, daß die Neutronen das Uran verlassen
haben, bevor ein Einfang durch 238U erfolgt
ist (heterogene Anordnung).
Mögliche Moderatorsubstanzen sind reiner Graphit, schweres Wasser
und u.U. auch normales Wasser (hier ist aber n-Einfang zu D2O
zu berücksichtigen).
Da immer Neutronen aus dem Reaktor entweichen, muß eine kritische
Größe erreicht werden, da ja im Mittel wenigstens eines der
entstehenden Neutronen wieder eine Spaltung herbeiführen muß.
Die Betriebsdauer eines Kernreaktors wird beeinflußt durch
-
Entnommene Energie
-
Erzeugung von neuem Brennstoff aus brütbarem Material
-
Erzeugung von Spaltprodukten mit hohem Wirkungsquerschnitt für Neutroneneinfang
("Vergiftung des Reaktors")
-
Reaktorsysteme
Die Gliederung erfolgt nach der Art des Moderators, des Brennstoffes
und der Wärmeübertragung.
-
Gasgekühlter Reaktor mit Graphit-Moderator (Fermi
1942)
Der Wärmeüberträger war CO2,
der Brennstoff natürliches Uran.
-
Druckwasserreaktor
Moderator und Wärmeüberträger bestehen aus normalem
Wasser unter so hohem Druck, daß Sieden verhindert wird.
Der Brennstoff muß angereichertes Uran (235U
> 0,7%) sein, da die Neutronen-Absorption in H2O größer
ist als in Graphit. Das Uran liegt als U2O in keramischer
Form vor, da sonst eine heftige chemische Reaktion mit Wasser einsetzt.
-
Siedewasserreaktor
Wie beim Druckwasserreaktor, aber das eingesetzte Wasser siedet.
Zum Wärmeaustausch wird der Wasserdampf eingesetzt. Der Unglücksreaktor
von Tschernobyl war von diesem Typ.
-
Natriumgekühlter Reaktor mit Graphitmoderator
Natrium wird als Wärmeüberträger (gute Übertragung
bei kleinem Druck) verwendet.
Der Brennstoff ist leicht angereichertes Uran, der Moderator Graphit.
Ein solcher Reaktor ist wärmetechnisch sehr gut. Da aber Natrium
sehr heftig mit Wasser (äußerer Wärmetauscher) reagiert
und bei Neutronen-Bestrahlung selbst sehr stark radioaktiv wird, ist die
Gefahr bei Betriebsstörungen sehr groß.
Solche Reaktoren sind sehr kompakt zu bauen, und werden deshalb bevorzugt
auf Schiffen eingesetzt.
-
schnelle Brüter
In den sogenannten Brutreaktoren soll mit Hilfe der starken Neutronenstrahlung
bei der Spaltungsreaktion aus dem nicht verwertbaren 238U
das spaltbare 239Pu "erbrütet" werden:

Brutreaktoren besitzen keine Moderatoren, da die freiwerdenden
Neutronen für den Brutprozeß benötigt werden. Sie sind
daher sehr schwer steuerbar. Meines Wissens nach ist noch kein "schneller
Brüter" zufriedenstellend gelaufen.
-
Kernspaltungsbomben
Eine solche Bombe besteht im Gegensatz zur heterogenen Anordnung
eines Reaktors aus zwei Mengen homogen angeordneten, spaltbaren Materials.
Jede einzelne Menge ist von einer so geringen Masse, daß aufgrund
der mittleren freien Weglänge soviele Neutronen entweichen, daß
keine Kettenreaktion in Gang gesetzt wird (unterkritische Massen). Bei
der Zündung der Bombe werden diese beiden unterkritischen Massen möglichst
schnell vereinigt (z.B. durch Zündung einer chemischen Explosion),
so daß die kritische Masse überschritten wird und eine Kettenreaktion
spontan einsetzt.
-
Grundlagen
Aus der graphischen Darstellung der Bindungsenergie pro Nukleon
ergibt sich, daß die Verschmelzung leichter Kerne ebenfalls Energie
liefert. Am günstigsten sind Reaktionen, die
mit seiner besonders hohen Bindungsenergie ergeben.
Mögliche technisch auszuwertende Reaktionen sind:
und 
Die dabei entstehenden Neutronen können evtl. durch Reaktion mit
eingebrachtem Lithium zum Erbrüten von Tritium weiterverwendet werden:
Damit diese Reaktionen ablaufen können, müssen die Reaktionspartner
so große kinetische Energien, d.h. so große Geschwindigkeiten
besitzen, daß die Coulomb-Abstoßung überwunden werden
kann. Nur so können sich die Reaktionspartner nahe genug kommen, damit
die Kernkräfte wirksam werden. Das Problem besteht also darin, ein
geeignetes Gasgemisch ausreichender Dichte während genügend langer
Zeit auf so hoher Temperatur zu halten, daß die thermonukleare Energieproduktion
trotz der auftretenden Energieverluste weiterläuft.
-
Fusionsbomben
Bei den sogenannten Wasserstoffbomben werden die nötigen Bedingungen
durch die Zündung einer Kernspaltungsreaktion erzeugt. Innerhalb dieser
Explosion werden Bedingungen geschaffen, die zur Kernverschmelzung des
zugefügten Wasserstoffs führen.
-
Versuchsanordnungen zur kontrollierten Fusion
Die technische Nutzung künstlich ausgelöster Fusionsprozesse
ist schwierig. Trotz intensiver Bemühungen ist es noch nicht gelungen,
die Bedingungen für technisch nutzbare, kontrollierte Fusionsprozesse
zu schaffen.
Beim TOKAMAK-Prinzip wird versucht, eine gewisse Menge ionisiertes Gas
durch starke Magnetfelder (supraleitender Spulen!) so einzuschließen
und zu verdichten, daß im Inneren des eingeschlossenen Plasmas die
nötigen Bedingungen für eine Fusionsreaktion geschaffen werden.
Erzielt wurden dabei vielversprechende Ergebnisse, ein wirtschaftlicher
Einsatz ist aber bis auf absehbare Zeit noch nicht in Sicht.
Ein anderer Ansatz versucht das Gebiet thermonuklearen Brennens dadurch
zu erreichen, daß kleine Kügelchen, die ein Deuterium-Tritium-Gemisch
enthalten, durch einen Laser-Strahl sehr hoher Energiedichte so schnell
auf die nötige Temperatur aufzuheizen, daß die Fusionsreaktion
erfolgt, bevor das Gemisch Zeit hatte, thermisch zu expandieren.
Für die Entwicklung eines Fusionsreaktors sprechen die folgenden
Vorteile gegenüber einem Spaltungsreaktor:
-
Keine extrem langlebigen Abfallprodukte
-
Möglichkeit der direkten Umwandlung in elektrische Energie ohne den
Umweg über ein Wärmekraftwerk (siehe MHD-Generator, 1. Kurshalbjahr)
-
Kein unkontrollierbarer Leistungsanstieg möglich
Allerdings werden auch im Fusionsreaktor durch die harte Neutronenstrahlung
radioaktive Abfallprodukte erzeugt. Das erbrütete Tritium ist aufgrund
seines Aggregatzustandes problematisch.
-
Stellare Fusion
Wenn ein kontinuierlicher Fusionsprozeß aufrechterhalten werden
soll, müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Es muß
nämlich erstens die kinetische Energie der Reaktionspartner groß
genug sein, um eine hinreichende Wahrscheinlichkeit für das Durchdringen
des Coulombwalles sicherzustellen. Dies ist bei ganz leichten Kernen der
Fall bei Energien oberhalb 1keV, entsprechend Temperaturen von mehr als
107K (1keV entspricht 1,2·107K). Bei diesen
Temperaturen sind leichte Atome vollständig ionisiert, sie bilden
ein Plasma. Die zweite Bedingung ist, daß die Dichte der Materie
bei diesen Temperaturen groß genug sein muß, um eine Reaktionsrate
zu erzeugen, die nicht nur die Temperatur aufrecht erhält, sondern
einen Überschuß an Energie liefert. Diese Bedingungen sind im
Sonneninneren erfüllt, wo bei einer Dichte von etwa 100 g/cm3
eine Temperatur von 1,5·107K herrscht.
-
pp-Prozeß
Ausgangspunkt ist die Verschmelzung zweier Protonen zu einem Deuteriumnuklid:
Der Prozeß setzt sich über verschiedene Reaktionsketten fort:
Endprodukt dieser Prozesse ist in jedem Fall
(Energien zuzüglich Neutrinoverluste in Klammern).
-
CNO-Zyklus (H. Bethe)
Neben dem pp-Prozeß gibt es in der Sonne den katalytisch verlaufenden
CNO-Zyklus, der bei Temperaturen oberhalb 1,5·107K wichtig
wird. Bei diesem Prozess dienen die an der Reaktion beteiligten C,N,O-Kerne
als "Katalysator" bei der Verbrennung von Wasserstoff zu Helium.
Es gibt einen Haupt- und einen Nebenzyklus:


Beim Hauptzyklus wird eine Energie von 25,03MeV frei, beim Nebenzyklus
27,74MeV (plus 1,69MeV, bzw. 1,98MeV Neutrinoverluste).
-
Höhere Fusionsprozesse
Bei der weiteren Entwicklung eines Sternes ist irgendwann der Wasserstoffvorat
verbraucht. Die beim "Wasserstoffbrennen" enstandene "Heliumasche" kann
durch weitere Fusionsprozesse zu schwereren Elementen verschmolzen werden:
-
3a-Prozeß (Heliumbrennen) bei Temperaturen
um 108K

Der Energiegewinn beträgt ca. 7,3MeV pro
-Kern.
Dieser Prozeß (Verschmelzen mit a-Teilchen)
kann weitergehen:

evtl.:
-
Kohlenstoffbrennen bei Temperaturen um 109K

Weitere Kernprozesse finden mit abnehmender Energieausbeute maximal
bis zur Eisengruppe statt. Energiegewinn kann nur bei der Verschmelzung
von Kernen mit einer Nukleonenzahl unter 56 erzielt werden. Elemente höherer
Nukleonenzahlen entstehen durch Neutroneneinfang.