Albert Einstein

(*14.März 1879 in Ulm, +18.April 1955 in Princeton, N.J.).
Im Jahre 1905 veröffentlichte der 26jährige Einstein, als
"technischer Experte III. Klasse" beim Patentamt in Bern angestellt, im
Band 17 der "Annalen der Physik" drei Abhandlungen, deren jede geeignet
war, dem Verfasser unsterblichen Ruhm zu verschaffen. Der Einfluß
dieser Arbeiten war nicht nur auf die Naturwissenschaft, sondern auf das
gesamte menschliche Denken ungeheuer.
In seiner Theorie der Brownschen Bewegung gab er auf rein klassischer
Grundlage einen direkten und abschließenden Beweis für die atomistische
Struktur der Materie. In der Abhandlung "Zur Elektrodynamik bewegter Körper"
begründete Einstein mit einer tiefschürfenden Analyse der Begriffe
Raum und Zeit die Spezielle Relativitätstheorie. Aus dieser zog er
wenige Monate später den Schluß auf die allgemeine Äquivalenz
von Masse und Energie, die berühmte Formel E = mc2 . Die
Folgerungen, die man aus der neuen "Relativitätsmechanik" ziehen mußte,
standen im Gegensatz zum bisherigen physikalischen Denken und zur Anschauung.
Max Planck, der führende theoretische Physiker Deutschlands, bekannte
sich dennoch schon wenige Monate nach der Veröffentlichung der Einsteinschen
Arbeit zu dessen Gedanken; Arnold Sommerfeld folgte 1907. Wenige Jahre
später hatte sich die "Spezielle Relativitätstheorie", wie sie
bald genannt wurde, in der Fachwelt vollständig durchgesetzt.
In dem dritten der Aufsätze von 1905, "Über einen die Erzeugung
und Verwandlung des Lichtes betreffenden heuristischen Gesichtspunkt",
erweiterte Einstein den kühnen Quantenansatz von Planck (1900) zur
Hypothese der Lichtquanten. Das war der entscheidende zweite Schritt in
der Entwicklung der Quantentheorie. Einstein verband das Quantenkonzept
mit einfachen physikalischen Phänomenen, vor allem dem Photoeffekt.
Das wesentlichste theoretische Ergebnis war die Feststellung: "Monochromatische
Strahlung von geringer Dichte (innerhalb des Gültigkeitsbereiches
der Wienschen Strahlungsformel) verhält sich in wärmetheoretischer
Beziehung so, wie wenn sie aus voneinander unabhängigen Energiequanten
von der Größe
bestünde." Damit war klar ausgedrückt, daß im Grenzfall
niedriger Temperaturen und kleiner Wellenlängen (im Gültigkeitsbereich
des Wienschen Gesetzes) nicht die übliche Wellentheorie des Lichtes,
sondern die Vorstellung von unabhängigen Lichtquanten angemessen ist.
1907 folgte Einstein mit seiner Quantentheorie der spezifischen Wärme,
die - obwohl nur eine gewisse Näherung darstellend - den von Walther
Nernst und Mitarbeitern ab etwa 1909 gemessenen Verlauf der spezifischen
Wärmen bei Annäherung an den absoluten Nullpunkt im Rahmen der
Meßgenauigkeit wiedergab. Diese Theorie wurde dann 1912 von Peter
Debye und gleichzeitig, aber unabhängig davon, von Max Born und Theodor
von Kármán vervollständigt und stimmte damit auch quantitativ
genau mit den inzwischen verfeinerten Messungen überein.
Die Lichtquantenvorstellung Einsteins wurde von den Fachkollegen der
Zeit als der radikalste Versuch angesehen, die Gesetze der schwarzen Strahlung
abzuleiten, und fand eine sehr skeptische Aufnahme. Max Planck wollte zunächst
nur anerkennen, daß lediglich die Wechselwirkung der Strahlung mit
der Materie nach dem Quantengesetz erfolge, um später auch diese Annahme
immer mehr abzuschwächen. Die Lichtquantenhypothese hat Planck noch
1913 abgelehnt. In dem von ihm formulierten Wahlantrag der Preußischen
Akademie der Wissenschaften, in dem sich die wohl angesehenste wissenschaftliche
Institution Deutschlands bemühte, Albert Einstein zum ordentlichen
Mitglied zu gewinnen, heißt es als einzige Einschränkung über
Einstein: "Daß er in seinen Spekulationen gelegentlich auch einmal
über das Ziel hinausgeschossen haben mag, wie z. B. in seiner Hypothese
der Lichtquanten, wird man ihm nicht allzu sehr anrechnen dürfen.
Denn ohne einmal ein Risiko zu wagen, läßt sich auch in der
exaktesten Wissenschaft keine wirkliche Neuerung einführen."
Der Meinungsumschwung kam erst in den Jahren 1914/15, als es durch die
von Bohr aufgestellte Quantentheorie des Atoms möglich wurde, die
Frequenzen der Spektrallinien mit "astronomischer" Genauigkeit zu berechnen.
Nun wurden endlich die von Einstein schon 1905 vorgetragenen Gedanken von
den Fachkollegen verstanden und gewürdigt.
In den Jahren 1914/15 begründete Einstein, ausgehend von der strengen
Proportionalität von schwerer und träger Masse, die Allgemeine
Relativitätstheorie. Diese ist das vielleicht Höchste und Bewunderungswürdigste,
was einem einzelnen Menschen zu schaffen je vergönnt war.
Durch den Erfolg der britischen Sonnenfinsternisexpedition 1919 gewann
Einstein große Publizität. Im innerlich zerrissenen Deutschland
der Zeit nach dem 1. Weltkrieg führte das zu scharfen Angriffen seiner
politischen Gegner, die in der wissenschaftlichen Welt und in der Öffentlichkeit
eine Kampagne gegen die Relativitätstheorie zu eröffnen versuchten.
Wissenschaftliches Gewicht gewannen die Angriffe gegen Einstein aber nicht;
die Spezielle und Allgemeine Relativitätstheorie war ein fester Bestandteil
der Wissenschaft geworden. Das Nobelkomitee hielt es dennoch für geraten,
die Verleihung des Nobelpreises für Physik des Jahres 1921 an Einstein
nicht für die Aufstellung der Relativitätstheorie zu vergeben,
sondern für seine Beiträge zur Quantentheorie.
Ab 1920 hat Einstein versucht, eine "Einheitliche Theorie der Materie"
aufzustellen, die neben der Gravitation auch die Elektrodynamik umfassen
sollte. Mangels empirischen Materials mußte Einstein dabei auch formale
Gesichtspunkte heranziehen; selbst als durch Hideki Yukawa gezeigt war,
daß neben Gravitation und Elektrodynamik noch andere Kräfte
existieren, hat er seine Bemühungen fortgesetzt, die vergeblich blieben.
Obwohl er 1917 eine für die statistische Interpretation der Quantentheorie
richtungweisende Arbeit veröffentlichte, hatte er später gegen
die Kopenhagener Deutung von Bohr und Heisenberg ernste, in seiner philosophischen
Weltauffassung begründete Bedenken.
Einstein wirkte 1909/11 an der Universität Zürich, 1911/12
an der Deutschen Universität in Prag, 1912/13 an der Eidgenössischen
Technischen Hochschule in Zürich und ab 1914 als ordentliches, hauptamtliches
Mitglied an der Preußischen Akademie der Wissenschaften. Diese Stellung
verlor er (bzw. leistete auf sie Verzicht) im Jahre 1933. Er fand in den
Vereinigten Staaten am Institute for Advanced Study in Princeton N.J. eine
neue Wirkungsstätte. Es gehört zu den tragischen Lebensumständen
des überzeugten Pazifisten, daß er aus Sorge vor einer deutschen
Aggression in einem Brief an den amerikanischen Präsidenten Roosevelt
vom 2.August 1939 mit den Anstoß zum Bau der amerikanischen Atombomben
gab.
Albert Einstein gehört sowohl durch seine wissenschaftlichen Leistungen
wie durch seine Persönlichkeit zu den verehrungswürdigsten Gestalten
unseres Jahrhunderts. In der hingebenden Beschäftigung mit den Gesetzen
der Natur fand er "innere Freiheit und Sicherheit": "Der Weg zu diesem
Paradies", so sagte Einstein in seiner Autobiographie, "war nicht so bequem
und lockend, wie der Weg zum religiösen Paradies; aber er hat sich
als zuverlässig erwiesen und ich habe nicht bedauert, ihn gewählt
zu haben."
|