Das elektrische Feld
Der historische Ausgangspunkt für die Theorie des elektrischen
Feldes war das Coulomb-Gesetz. Wir wollen jetzt eine viel breitere Grundlage
schaffen, aus der sich u.a. auch das Coulomb-Gesetz als Spezialfall ergeben
wird.
Erfahrungsgemäß gibt es Raumgebiete, in denen elektrisch
geladene Körper Kräfte erfahren, die sich nicht als Nahewirkungs-
(Stoß, Reibung u.ä.), aber auch nicht als Trägheits- oder
Gravitationskräfte erklären lassen. Es gibt zwei Arten solcher
Kräfte:
Kräfte, die auch dann auftreten, wenn der Körper ruht. Wir
nennen sie elektrische Kräfte oder Coulomb-Kräfte und sagen,
in dem Gebiet, wo sie auftreten, herrsche ein elektrisches Feld.
Kräfte, die nur auftreten, wenn der geladene Körper sich bewegt.
Diese Kräfte sind proportional zur Geschwindigkeit des Körpers,
stehen aber senkrecht auf dieser. Wir nennen sie Lorentz-Kräfte und
sagen, in dem Gebiet, wo sie auftreten, herrsche ein Magnetfeld.
In diesem Kapitel befassen wir uns nur mit dem elektrischen Feld und
diskutieren das magnetische im nächsten Kapitel.
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Man kann also mittels einer Probeladung den ganzen Raum abtasten und
feststellen, welche Kraft dort wirkt. An jedem Ort kann man dementsprechend
einen Vektor E antragen. Diese E-Vektoren schließen
sich zu Feldlinien zusammen, deren Tangentialvektoren sie bilden. Alle
Versuche, sich über dieses Feldlinienbild hinaus eine "anschauliche"
Vorstellung vom elektrischen Feld zu machen, es z.B. als Spannungszustand
eines elastischen Mediums, des "Äthers", darzustellen, sind gescheitert.
Man sollte daher hinter dem Feldbegriff nichts anderes suehen als was er
ist, nämlich ein bequemes Darstellungsmittel fur die Kräfte,
die auf Ladungen wirken.
Jetzt müssen wir noch feststellen, wie elektrische Felder erzeugt
werden. Sie treten immer in der Umgebung von Ladungen auf. Genaueres erfahren
wir mittels des Begriffs des elektrischen Flusses......
aus: Gerthsen, Kneser, Vogel
Physik, 16. Auflage
Abb.: Waage zur Bestimmung der Kraft auf eine Probeladung
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