Friedrich-Koenig-Gymnasium
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Friedrich- Koenig- Gymnasium

FKG

Das Friedrich- Koenig- Gymnasium wurde zur Entlastung des Röntgen- Gymnasiums, das mit 1800 Schülern damals das größte Bayerns war, errichtet und nahm den Unterrichtsbetrieb mit dem Schuljahr 1973/74 auf. Sein unterrichtliches Angebot sollte der gewachsenen Nachfrage im mathematisch- naturwissenschaftlichen Bereich genügen helfen, entsprechend bietet es in erster Linie die mathematisch- naturwissenschaftliche Ausbildungsrichtung an, die indes von Beginn an durch eine neusprachliche, seit dem Schuljahr 1990/91 auch durch eine wirtschaftswissenschaftliche ergänzt wird.

Der Namenspatron sollte ein Mann der Naturwissenschaft oder Technik sein, zudem sollte er eine enge Beziehung zur Stadt Würzburg haben. Beiden Bedingungen genügte Friedrich Koenig (1774 - 1833), der Erfinder der Druckmaschine und Begründer der unterfränkischen Maschinenbauindustrie, in hervorragender Weise. Daß er darüber hinaus auch im Erzieherischen vorbildhaft ist, mag der folgende kurze Lebensabriß zeigen:

F. KoenigAm 17. April 1774 in Eisleben in eher bescheidenen Verhältnissen geboren, besucht er - dies sicherlich schon ein Zeichen guter Begabung - seit dem achten Lebensjahr das Gymnasium der Vaterstadt bis zum Beginn seiner Druckerlehrzeit in Leipzig im Jahr 1792. Diese Berufswahl - getroffen aufgrund verwandtschaftlicher Anregungen, erzwungen vielleicht aber auch durch die wirtschaftliche Enge - ist bestimmend für den weiteren Lebensgang: In seiner Ausbildung lernt Koenig die Unzulänglichkeiten des Arbeitens mit der Handpresse kennen, hier erfährt er nachdrücklich die Notwendigkeit der Veränderung und Verbesserung dieses Arbeitsbereiches. Trotzdem geht er 1794 nach Beendigung der Lehrzeit nicht gleich zur praktischen Arbeit über, sondern widmet sich vorerst, wie er später schreibt, noch ,,den Wissenschaften".

In dieser Zeit eignet er sich wohl die ihm später so nützlichen gediegenen Kenntnisse der Mathematik, Mechanik und Naturwissenschaften an. Denn 1802 sehen wir ihn in Suhl seinen ersten Versuch zur Verbesserung der Druckmaschine starten. Das Ausbleiben des Erfolges - die Suhler Maschine bleibt unvollendet - entmutigt ihn nicht; es folgt vielmehr eine ungeheuer dichte Zeit des Forschens, Entwickelns und zugleich auch Werbens für die neue Maschine. Die Intensität dieses Arbeitens wird vielleicht am kürzesten, aber augenfälligsten durch das Nennen der verschiedenen kontaktierten Stationen gekennzeichnet: Meiningen, Würzburg, Leipzig, Wien, Dresden, Hamburg, St. Petersburg.

Ans Ziel kommt Koenig aber erst im damals technisch fortschrittlichsten Teil Europas, in England, wohin er sich 1806 begibt. Hier, wohin er als Schiffbrüchiger und völlig mittellos gelangt, kommt er schließlich - nicht ohne wiederum Rückschläge erleben zu müssen - ans Ziel, hier lernt er auch seinen späteren Mitstreiter und Kompagnon Andreas Bauer kennen.

1811 wird die erste mechanische Druckmaschine, für die Koenig 1810 ein Patent erhalten hatte, nach vierjähriger Bauzeit in Betrieb genommen, 1812 läßt sich der Verleger der ,,Times" von der Qualität der weltweit ersten Zylinderdruckmaschine überzeugen: Koenig scheint ans Ziel gelangt.

Die Intrigen des Firmenteilhabers Bensley veranlassen ihn aber, London zu verlassen und in Deutschland eine eigene Druckmaschinenfabrik zu errichten. Diese Gründung - nach der erfinderischen nun eine unternehmerische Großtat Koenigs erfolgt mit Bauer als Teilhaber 1817 im Kloster Oberzell bei Würzburg.

Hier entsteht, angesichts der technischen Rückständigkeit des damaligen Deutschlands wiederum nur unter außerordentlichen Anstrengungen, die erste Druckmaschinenfabrik der Welt.

Nach einer ersten Blütezeit gerät das Unternehmen im Gefolge der Pariser Julirevolution 1830 in eine schwere Krise: Maschinenfeindlichkeit aus radikalsozialistischen Ansätzen auf der einen, verstärkte Zensur im Pressebereich auf der anderen Seite führen zu einem rapiden Schwund der Aufträge, die Belegschaft muß von 120 auf 14 Mann reduziert werden.

Für Koenig waren diese Rückschläge wohl zuviel. Ein altes Herzleiden verschlimmert sich, und am 17. Januar 1833 schließt er für immer die Augen. Sein Freund Bauer, seine Frau Fanny Koenig, später seine Nachkommen führen die Firma, heute die drittgrößte Druckmaschinenherstellerin der Welt, zu neuer Blüte.

Vorbildlich als Erfinder und Unternehmer kann Friedrich Koenig Vorbild auch in weiterem Sinne sein. Sein Leben und Arbeiten ist gekennzeichnet von nie erlahmendem Fleiß, von Kreativität und Ausdauer, die sich auch durch schwere Rückschläge nicht entmutigen läßt, von Flexibilität und Mobilität - das oben gezeichnete ,,Itinerar" läßt diese Leistung recht deutlich werden -, von Wissensdurst und Interesse. Die Jahre, in denen er sich (sicherlich unter manchem Verzicht) den ,,Wissenschaften" widmet, können Beleg dafür sein, aber auch von Redlichkeit und Verläßlichkeit, von unternehmerischem Ethos, das im Vergleich mit seinem englischen Partner Bensley und in der Zusammenarbeit mit Andreas Bauer deutlich wird.

So kann er in vielfältiger Weise Leitfigur für Schüler in unserer von Technik und Wirtschaft bestimmten Zeit gerade an einem Gymnasium sein, das sich wie das Friedrich- Koenig- Gymnasium bemüht, all den so entstehenden Ansprüchen zu genügen und die zugehörigen Kenntnisse und Haltungen zu vermitteln: technisches Know-how (mathematisch- technische Ausbildungsrichtung); schließlich Verständnis für Wirtschaft und Verantwortlichkeit in ihr (wirtschaftswissenschaftliche Ausbildungsrichtung).

Dr. Walter Bauer

   Das Gymnasium: Friedrich-Koenig-Gymnasium, Würzburg Zurück: Geschichtsseite