Soziales Engagement des Unternehmers
Die Firma Koenig und Bauer achtete stets auf das Wohl ihrer rechtschaffenen Mitarbeiter; dies wird bei den zahlreichen sozialen Einrichtungen, die diese Firma stiftete, sehr deutlich. Fanny Koenig, die Witwe des Firmengründers, und Josef Bechold, Oberwerksmeister der Firma, initiierten mehrere Stiftungen zum Wohle der Belegschaft.
So wurde 1855 die noch heute bestehende Betriebskrankenkasse und im Zuge derer eine Unterstützungs- und Vorschusskasse in der Firma Koenig und Bauer geschaffen. Diese Kasse finanzierte sich aus einem jährlichen Zuschuss durch die Fabrikherren, sowie aus den Zahlungen festgelegter Beiträge durch das Fabrikpersonal. Dieses bekam als Gegenleistung einen Arzt- beziehungsweise Hospitalbesuch im Krankheitsfall erstattet, und erfuhr bei längerem krankheitsbedingten Arbeitsausfall sogar zusätzliche finanzielle Unterstützung.
Als ein Element der Krankenkasse bezeichnete man das Vorschusswesen, in welchem durch strenge Reglementierung festgesetzt war, wann ein Fabrikarbeiter das Recht auf finanzielle Unterstützung zustand, zum Beispiel beim Viehkauf oder bei Reparaturen an privaten Gebäuden. Durch diese betriebliche Einrichtung, die etwa 30 Jahre vor der reichsgesetzlichen Regelung der Krankenversicherung entstand und als älteste Betriebskrankenkasse Bayerns gilt, war dem Personal der Firma nun auch im Krankheitsfall finanzielle Unterstützung gewährleistet.
Als weiterer Meilenstein der sozialen Einrichtungen in der Firma Koenig und Bauer ist die Arbeitersparkasse zu nennen. Diese wurde 1865 durch eine Stiftung von 10.000 fl. (Gulden) der Fabrikbesitzer ins Leben gerufen. Anlass für diese Gründung war die Vollendung der 1000. Druckmaschine. Von den 10.000 fl. wurden 2.500 fl. unter den Arbeitern verteilt, die bei der Fertigstellung der 1000. Druckmaschine beteiligt waren, wobei dieses Geld als Grundlage für weitere Ersparnisse angesehen wurde. Über die übrigen 7.500 fl. verfügte die neu eingerichtete Fabriksparkasse, die dem Personal für sein angelegtes Geld einen möglichst hohen Zinssatz bieten wollte, der den landesüblichen Zinssatz bei weitem übertraf. Das Ziel dieser neuen Institution in der Fabrik war, den Arbeiter zu Sparsamkeit zu erziehen und ihm dadurch die Eigentumsbildung für zum Beispiel Haus- und Grundbesitz zu ermöglichen.
Zur Fertigstellung der 2000. Schnellpresse 1873 stifteten die Inhaber der Firma 20.000 fl., die Grundlage für die in diesem Jahr geschaffenen Invaliden-, Witwen- und Waisenkasse waren. Diese Kasse finanzierte sich durch über Jahre hinweg durch die Zinsen des Grundkapitals, das nur in akuter finanzieller Knappheit angerührt werden sollte. Des weiteren wurden die Zinsen durch die festgelegten Beiträge der Arbeiter und einem jährlichen Zuschuss der Firma getragen. Zweck dieser Einrichtung war die finanzielle Unterstützung dauerhaft arbeitsunfähig gewordener und altersschwacher Arbeiter und die einmalige beziehungsweise dauerhafte Unterstützung für die Hinterbliebenen eines verstorbenen Fabrikarbeiters.
Um schon bei den Kindern durch eine gute Erziehung Einfluss zu haben, gründete 1865 die Witwe Friedrich Koenigs die sogenannte Kinderbewahranstalt in Zell. Dies war ein Kindergarten, der von Schulschwestern geleitet wurde und auch den Kindern offen stand, deren Eltern keine Fabrikangehörigen waren. Dieser Kindergarten existiert heute noch und wurde stets von Koenig und Bauer finanziell unterstützt.
Weiter geführt wurde diese Erziehung in der 1868 ins Leben gerufenen Fabrikschule. In dieser Schule sollte eine bessere Schulung für die Arbeiter dadurch erreicht werden, dass der theoretische und der praktische Teil der Ausbildung zusammengeführt wurden. Werkstatt und Schule sollten nicht mehr allein als Ausbildungs-, sondern auch als Erziehungsstätte gelten, in der die Schüler zu sittlicher und moralischer Disziplin erzogen werden sollten.
Eine weitere Einrichtung, die sowohl der Bildung wie auch der Disziplinierung der Arbeiter zugute kam, war die etwa 1870 vollzogene Einrichtung einer Werksbibliothek. Der Arbeiter sollte in der Form diszipliniert werden, dass er nun durch das Ausleihen von Büchern eine Alternative zum feierabendlichen Wirtshausbesuch hatte. Nahm er diese Möglichkeit wahr, sparte er für Alkohol unnötig ausgegebenes Geld, konnte es statt dessen in der Sparkasse anlegen und es so durch Zinsen sozusagen vermehren. In dieser Leihbibliothek waren Bücher über Geographie und Naturgeschichte, aber auch Enzyklopädien, Biographien und Belletristik unentgeltlich zu entleihen.
Schließlich rief Fanny Koenig 1882 eine Holzstiftung ins Leben, die für bedürftige Familien Holz und Kohle zur Verfügung stellte. Unter Leitung der Familie Bolza wurde das soziale Engagement fortgesetzt. So gründete Luise Bolza, Tochter Friedrich Koenigs, 1898 eine Stiftung, die Kuraufenthalte von Arbeitern unterstützte. 1912 stifteten Familienangehörige Geld, dessen Zinsen als Prämie für Arbeiter galt, die Verbesserungsvorschläge eingebracht hatten.
Barbara Hofmann