Die Entwicklung der Druckmaschine durch Friedrich Koenig
Es vergingen dreihundertfünfzig Jahre bis sich nach Gutenbergs Erfindung der Holzpresse, im 15. Jahrhundert, die Buchdruckerkunst durch Koenigs Erfindungen grundlegend veränderte.
1802 gelang es Friedrich Koenig von der Familie Rieder 5000 Taler für eine gemeinsame Buchhandlung und eine eigene Buchdruckerei zu bekommen, die er 1804 aufgab, weil sich sein Erfindergeist mehr mit der Verbesserung der Buchdruckerpresse als mit der seiner Geschäftsführung befasste. Koenig plante damals eine verbesserte Handpresse als Innovation vorzustellen, die einen Arbeiter einsparen könne, wenn die Farbe durch einen Apparat maschinell aufgetragen werde. Zur Verwirklichung seiner Pläne ging er nach Suhl (Thüringen), da er in den dortigen mechanischen Werkstätten eine Maschine aus Holz und Schmiedeeisen bauen wollte und noch 1804 die sogenannten Suhler Maschinen konstruieren konnte. An diesen Modellen unterschied sich lediglich das Farbwerk, „das den Urtypus der modernen Zylinderdruckmaschine darstellte" (H. Barnikel, Friedrich Koenig, ein früher Industriepionier... München 1965), von den damals gebräuchlichen Handpressen.
Noch vor Inkrafttreten der napoleonischen Kontinentalsperre am 21. November 1806 schiffte Koenig nach England über, weil er dort Geldgeber und bessere Arbeitsbedingungen vorfinden konnte. Mit neuen Geldgebern und der Unterstützung von Bauer reichte Friedrich Koenig 1809 die Patentschrift seiner ersten in England fertiggestellten Presse ein, die am 29. März 1810 das englische Patent Nr. 3321 für seine Tiegeldruckmaschine bekam. Die Maschine war Dampf betrieben, der Auftrag der Druckfarbe war selbsttätig und somit hatte der Arbeiter nur noch die Bögen auf den Deckel anzulegen und wieder abzunehmen. Mit der Tiegeldruckmaschine wurde 1811 Bensleys Annual Register für 1810 mit einer Auflage von 3000 Stück gedruckt.
Im Oktober des Jahres 1811 ließ sich Koenig die einfache Zylinderdruckmaschine patentieren, die mit einer stündlichen Leistungssteigerung von 320% bei kleinen Druckformen und einer Steigerung der Effektivität bei den vierfach so großen Bögen um das 12,8-fache die Produktion des großformatigen Maschinenpapiers ungemein anregte.
Außerdem ließ sich Koenig schon 1811 in seinem Patent Nr. 3496 das Verfahren der Doppelmaschine sichern, die 1813 als doppelte Zylinderdruckmaschine sein drittes englisches Patent wurde. Koenig hatte es geschafft, den unproduktiven Rückweg der Druckform durch einen zusätzlichen Druckzylinder, der ebenfalls bedruckte , zu nutzen. Als John Walter jr., Inhaber der „Times", nach der Vorführung zwei Modelle der Doppelmaschine orderte, die außerdem preislich in einem guten Verhältnis zur Mehrleistung standen, war dies für Koenig und Bauer die große Chance, die Augen Englands auf die Koenigschen Schnellpressen zu richten.
Nachdem die fertigen Maschinenteile aus der Produktion kamen, wurden sie in ein Gebäude der Times gebracht, das den Betriebsangehörigen nicht zugänglich war.
Die Installation war streng geheim, denn J. Walter befürchtete Demonstrationen und Sabotageakte seiner Arbeiter, da ihr Arbeitsplatz durch Koenigs „Times-Doublemachine" gefährdet war. In der Nacht des 28. auf den 29. November wurde die erste Timesausgabe per Zylindermaschine gedruckt. Den epochalen Erfolg kommentierte J. Walter vor seinem Betriebspersonal um sechs Uhr morgens folgendermaßen: "The Times is already printed - by steam!"
In den folgenden Jahren verbesserte Koenig seine
Druckmaschinen weiter, z.B. in der Papierführung und besonders bzgl.der
Druckgeschwindigkeit. Mit der Schön- und Wiederdruckmaschine (Patent von 1814)
gelang ihm der doppelseitige Druck durch eine Maschine innerhalb eines einzigen
Arbeitsganges.

Florian Geißler