Die Firmenentwicklung nach Friedrich Koenigs Tod

Nachdem Friedrich Koenig am 15.1.1833 an einem Schlaganfall starb, übernahmen seine Witwe und sein Geschäftspartner und Freund Andreas Bauer die Leitung des aufstrebenden Unternehmens. Der Aufschwung, von dem die Firma in den folgenden Jahren erfasst wurde, war v.a. auf die erstaunliche Verbreitung der Schnellpresse bis ins Revolutionsjahr 1848 zurückzuführen. Die Zahl der Arbeiter steigerte sich von 14 bei Koenigs Tod auf 140 im Jahre 1847. Schließlich wirkten nun auch die beiden Söhne, Wilhelm und Friedrich, in der Firma ihres Vaters mit. Die so neugewonnenen Kräfte machten sich auch im Erfolg des Unternehmens bemerkbar. 1864 erfand Wilhelm eine Zweifarbenmaschine, die zum Druck von Wertpapieren nötig war. Damit eröffnete sich die Möglichkeit auch mit Staatsdruckereien ins Geschäft zu kommen. 1867 wurde Koenig & Bauer auf der Weltausstellung in Paris mit einer Goldmedaille und 1873 in Wien mit einem Ehrendiplom für die besonderen Leistungen ausgezeichnet. Im Jahr 1875 stellte die Firma ihre erste Rotationsmaschine her. In den Folgejahren gelang es diese Druckmaschine immer weiter zu verbessern, wodurch das Unternehmen trotz anwachsender Konkurrenz weiter auf Erfolgskurs blieb. 1882 kurz vor der Feier für die Lieferung der 3000. Maschine (am 1. April) starb Fanny Koenig als älteste Gesellschafterin der Firma. Zu diesem Zeitpunkt betrug die Arbeiterzahl 445. Als dann ein Großauftrag aus London die räumlichen Möglichkeiten der Firma zu sprengen drohten, begann man mit der Planung eines neuen Werkes auf der anderen Mainseite. Hier fand sich auch die für eine Expansion wichtige Bahnanbindung. Jedoch verstarb Wilhelm Koenig am 29.12.1894 im Alter von 68 Jahren, und so musste ein Nachfolger den Umzug vollenden. Dieser fand sich in Friedrich Koenigs Neffen Albrecht Bolza, unter dessen Leitung der Umzug am 30.11.1897 vollendet wurde. Die nun größeren räumlichen Möglichkeiten und ständig neue technische Innovationen des Familienunternehmens führten zu einem kontinuierlichen Wachstum. Der Erste Weltkrieg setzte dem Erfolg jedoch ein vorläufiges Ende. Die Aufträge aus dem europäischen Ausland blieben wegen des, durch den Krieg, angeheizten Nationalismus aus. Dazu kamen die Auswirkungen der kriegsbedingten Inflation. Koenig & Bauer gelang es aber diese Schwierigkeiten zu überstehen und sich zu behaupten. In den zwanziger Jahren war das Unternehmen im Bereich der Tiefdruckmaschinen unbestrittener Marktführer. Doch auch der Absatz von Zeitungsrotationsmaschinen bewirkte eine weitgehende Erholung. Jedoch führten zwei wichtige Faktoren Anfang der dreißiger Jahre zu einer erneuten Stagnation. Zum einen bekam das Unternehmen die Weltwirtschaftskrise zu spüren und zum anderen wurde die deutsche Wirtschaft unter den Nationalsozialisten immer mehr zur Planwirtschaft. Im weiteren Verlauf neigten viele Länder dazu deutsche Waren zu boykottieren. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Hauptwerk völlig zerstört. Der Wiederaufbau wurde durch die Zusammenbrüche der Infrastruktur und des Handels, sowie Demontagen zusätzlich erschwert. Mit der Errichtung der sozialen Marktwirtschaft in Westdeutschland nahm die Erfolgsgeschichte von Koenig & Bauer wieder seinen Lauf. 1950 waren wieder 1147 Menschen in den Werkshallen v.a. mit der Produktion von Zeitungsrotationsmaschinen beschäftigt. Die politische und wirtschaftliche Integration Deutschlands auf internationaler Ebene förderte die positive Firmenentwicklung, so dass auch Koenig & Bauer Teil des Wirtschaftswunders wurde. Die erhöhten Absatzchancen auf den internationalen Märkten, veranlaßten die Unternehmensführung Tochtergesellschaften im Ausland zu gründen. Diese Expansionstendenz ist auch jetzt noch Bestandteil der Firmenpolitik. Innovation und strategische Neuorientierung an den internationalen Märkten hielten Koenig & Bauer bis heute auf Erfolgskurs. Ein Beispiel für die innovative Kraft des fränkischen Unternehmens, ist der Vorstoß in die Marktnische des Telefonbuchdrucks. So wurde Koenig & Bauer zu einem der bedeutendsten Druckmaschinenhersteller weltweit. Der Umsatz und die Beschäftigungszahl belaufen sich im Moment auf ca. 1,5 Mill. DM und etwa 6500 Arbeiter und Angestellte. 

Die nebenstehende Grafik gibt eine Übersicht zur aktuellen Unternehmensstruktur. Insgesamt betrachtet ergibt sich für den Maschinenhersteller ein sehr positives Bild. Trotz vieler Rückschläge, schaffte es das Unternehmen einer der bedeutendsten Anbieter auf dem Weltmarkt zu werden. Das große Gewicht des Betriebes im Sektor der Neuentwicklungen und im Bereich der Wirtschaft im regionalen sowie internationalen Rahmen brachten und bringen der Firma Koenig & Bauer ein hohes Ansehen. Dies wird auch durch die Tatsache deutlich, dass unser Gymnasium, das Friedrich-Koenig-Gymnasium, nach dem Firmengründer benannt wurde.

Frank Goßmann