Andreas Friedrich Bauer
A.F.
Bauer wurde am 18.8.1783 in Stuttgart geboren. Sein Vater, Johann Bauer, war
Hof- u. Jagdseilermeister und zudem noch Ober-Innungsmeister. Andreas war der
älteste von drei Geschwistern. Die Familie lebte in gutbürgerlichen
Verhältnissen; allerdings starb der Vater bereits 1802 im Alter von 47 Jahren.
Ebenfalls sehr früh starb seine Mutter; hier liegt allerdings kein genaues
Todesdatum vor: Zwei Brüder der Mutter nahmen sich dann der Kindern an.
Bauer war bis 1798 Schüler an einem Gymnasium, anschließend begann er eine Lehre als Optiker und Feinmechaniker. Nach 1803 studierte er an der Universität in Tübingen Mathematik und Naturwissenschaft, bis er 1805 sein Magister-Examen erfolgreich abschloss.
In dieser Zeit ging es ihm recht gut, er genoss das Leben und war sehr verschwenderisch.
1805 zog es ihn unter großen Erwartungen, begleitet von besten Wünschen der Verwandten, nach London, wo er sich eine bessere technische Ausbildung erhoffte. Ein Jahr später, 1806, traf auch Friedrich Koenig in England ein, um seinen Traum zu verwirklichen, nämlich eine Druckmaschine, die neben selbständiger Einlage und Abnahme des Bogens auch alle weiteren Einzelvorgänge selbsttätig erledigen sollte.
Wie sich Koenig und Bauer zum ersten Mal begegneten ist nicht genau bekannt. Sicher ist jedoch, dass sie bereits circa ein Jahr vor ihrem geschäftlichen Zusammenschluss gut befreundet waren.
Im Ergänzungsvertrag vom 9.9.1809 zwischen Koenig und Thomas Bensley (der bereits seit 1807 Koenig beim Bau seiner Druckmaschine finanziell unterstützte), durch den sich außerdem die Drucker Woodfall und Taylor der Gesellschaft zum Bau der Druckmaschine anschlossen, spricht Koenig erstmals von "seinem Freund Bauer" und bestimmt ihn zu seinem rechtmäßigen Nachfolger im Falle seines Todes.
Ein Jahr später erhielten sie das Patent auf ihre erste Druckmaschine und übergaben sie 1811 dem praktischen Betrieb.
Dies war der Anfang des erfolgreichen Unternehmens "Koenig & Bauer". In den darauf folgenden Jahren bauten sie noch weitere, revolutionäre Maschinen; so zum Beispiel die Zylinderdruckmaschine für Bensley (1812) oder die beiden Doppelmaschinen für die "Times" (1814). So entstanden in gemeinsamer Arbeit der beiden Männer innerhalb von nur sechs Jahren sämtliche Prototypen der noch heute gängigen Schnellpressenarten. Als 1811 für den Bau der ersten Zylinderdruckmaschine die Werkstätte in White Cross Street eingerichtet wurde, trat Bauer als deren bezahlter Leiter in den Dienst der Gesellschaft. Im Jahre 1815 wurde er auch Gesellschafter des Unternehmens, nachdem er diesem schon jahrelang seine ganze Arbeitskraft gewidmet hatte.
1817 verließen die beiden Freunde F. Koenig und A. Bauer England und gründeten eine neue Fabrik im Kloster Oberzell bei Würzburg. Am 9. August kam es zum Gesellschaftsvertrag zwischen Koenig & Bauer. Dieser erklärte Koenig und Bauer als vollkommen gleichberechtigt in Bezug auf Gewinn und Besitz. In den kommenden Jahren war es Bauer selbst, der die Arbeiter für die Fabrik ausbildete. Nach Koenigs Tod führte Bauer die Geschäfte uneingeschränkt weiter; er bekam jedoch Hilfe von Friedrich Koenigs Witwe, Fanny Koenig. So führten sie beispielsweise 1855 eine Fabrikkrankenkasse für ihre Arbeiter ein.
Als 1860 auch A. Bauer starb, hinterließ er ein angesehenes Unternehmen, welches bis heute auf eine lange und erfolgreiche Tradition zurückblicken kann.
Sebastian Weiß